Bally Prell – Die Schönheitskönigin von Schneizlreuth

Homage zum 100. Geburtstag am 14.09.

Agnes Pauline Prell, geboren am 14. September 1922, wohnte von Geburt bis zum Tod in der elterlichen Wohnung Leopoldstrasse 77 in München Schwabing im 3. Stock in der Wohnung Ihrer Eltern. Sie ist dort geboren und dort gestorben. Das Haus an der Leopoldstrasse ist ein stattliches Jugendstilhaus der Jahrhundertwende des Architekten Martin Dülfer 1900-1902 erbaut. Vater Ludwig Prell, „der Vatl“, Verwaltungsangestellter, Gitarrenvirtuose und Mundartdichter, förderte zunächst den 12 Jahre älteren und musikalisch sehr begabten Bruder der Agnes, den Ferdinand, als Volkssänger, der als Kinderstar auf den Münchner Volkssängerbühnen gefeiert wurde. Beim frühen Tod des Bruders Ferdinand war Bally 9 Jahre alt. Ferdinand hatte der Agnes Pauline den Namen Bally gegeben wegen ihres kugelrunden Aussehens.

Nach dem Tod von Ferdinand förderte der Vater die „Bally“ in ihrem musikalischen Talent. Sie trat in die Fußstapfen ihres Bruders. In den Jahren vor dem großen Erfolg singt Agnes Pauline Prell Kunstlieder der deutschen Romantik, Operettenlieder, auch im Duett mit Tenören, Schlager der 40-iger Jahre und Wiener-Lieder, Queri-Lieder, auch Songs der Beatles in Tenorlage. Zu ihrem 31. Geburtstag 1953 schreibt ihr Vater das Lied von der Salvermoser Zenz, mit dem sie am 31. Oktober 1953 am Münchner Platzl debütiert und das ihr Markenzeichen wird. Begleitet wurde sie dabei von ihrem Vater auf der Kontragitarre und von Josef Amann auf der Zither. Nach dem durchschlagenden Erfolg der „Schönheitskönigin von Schneizlreuth“ steht Bally Prell 1963 am Höhepunkt ihrer Karriere.

Ihr Bühnenkostüm, bestehend aus einem blumigen Rüschenkleid, dem Sonnenschirm, den Halbhandschuhen, dem gezackten Krönchen und der weiß-blauen Schärpe mit dem Aufdruck „Miss Schneizlreuth“ im Original im Münchner Stadtmuseum aufbewahrt. Das Lied ist eine Parodie auf die in 50-iger Jahren beliebten und teils grotesken Miss-Wahlen und den aufkommenden Schönheitswahn. Prell kreiert seine Bally als naiv-stolze Landpomeranze.Es folgen noch weitere Lieder, das bekannteste davon ist das „Isarmärchen“, ein Loblied auf die schöne Münchner Stadt. Bei dessen Vortrag lauschte das Publikum immer andächtig still bevor es in frenetischen Beifall ausbrach. Vater Prell parodierte gerne Operettenmelodien für die Aufführungen durch seine Bally, so z.B. lieferte Carl Zellers Vogelhändlerlied „Wia mei Ahndl 20 Jahr“ die Vorlage für „Mia Bella“, das zu einer der erfolgreichsten Nummern in Bally Prells Repertoire wurde. Doch an
den Erfolg der „Schönheitskönigin“ konnte sie mit den weiteren Liedern nicht mehr herankommen. Vater Ludwig Prell verstarb 1965, er wurde auf dem Münchner Nordfriedhof begraben. Die Jahre vor der Olympiade in München waren der Bally Prell verleidet durch den U-Bahnbau in der Leopoldstrasse vor ihrer Haustüre. Schon zuvor bei den zahlreichen Tonaufnahmen, die sie mit Ihrem Aufnahmegerät in der Wohnung selbst fabrizierte und katalogisierte, ist regelmäßig die vorbeifahrende Trambahn zu hören. Am 20. März 1982 stirbt Agnes Pauline Prell an den Folgen einer Kropfoperation. Sie ist wie der Vater auf dem Münchner Nordfriedhof begraben.

In Erinnerung an Bally Prell hat das „Bayernmadl“ Christa Schinkinger aus Kraiburg am Inn bei einem Sänger- und Musikantentreffen beim Weissbier-Bräu Steer im Mühldorfer Turmbräu die „Schönheitskönigin“ gesungen. Die Aufnahme ist bei Mühldorf-TV und bei youtube zu sehen.

Dr. Reinhard Baumgartner, 84570 Polling, Kreisheimatpflege im Landkreis Mühldorf a. Inn

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