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Wastl Fanderl

Wastl Fanderl – ein Mitbegründer des Vereins und engagierter Förderer bayerischer Volksmusik

Vereinsgeschichte

Gegründet wurde der Verein für Volkslied und Volksmusik e.V. im Frühjahr 1965 von Herzog Albrecht von Bayern, Annette Thoma, Dr. F.J. Bechtold, U.Ph. Graf von Arco-Zinneberg, Wastl Fanderl, Dr. Hans Dümmler und Heinz Dürrmeier. Auch im Fortgang liest sich die Mitgliederliste wie das „Who is Who“ des politischen und gesellschaftlichen Lebens in Bayern: Karl Edelmann, Gustl Feldmeier, Dr. Wilhelm Högner, Clara Huber – die Witwe von Prof. Kurt Huber, Dr. Alois Hundhammer, Waldemar von Knoeringen, Carl Orff , Klaus Havenstein zählten neben vielen anderen zu jenen, die innerhalb des ersten Jahres Mitglieder wurden. Vor allem Redakteurinnen und Redakteure des Bayerischen Rundfunks, wie beispielsweise Annette Thoma, trugen dazu bei, den Verein und seine Ziele einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dies geschah durch bewusste Auswahl von Liedern, Musik und Beiträgen im Hörfunk, aber auch durch die Organisation von Volksmusikseminaren, über die im Radio ausgiebig berichtet wurde …






VVV-Forum


1958 gründete Wastl Fanderl die Sänger- und Musikantenzeitschrift. Die Mitglieder des VVV erhielten sie als Vereinszeitschrift und fanden darin auch die wichtigsten Informationen aus dem Vereinsleben.

Seit 2008 veröffentlicht der VVV in jeder Ausgabe dieser Musikzeitschrift einen Beitrag. Seit 2012 heißt die Zeitschrift "zwiefach" www.zwiefach.de
Viele unserer Beiträge finden Sie als pdf im VVV-Forum



Liedblatt 1:

Liedblatt 1:
"Steig aufi aufs Bergal"



Liedblatt 2:

Liedblatt 2:
"Wann i morgens fruah aufsteh"






Liederblätter für Kinder und Jugendliche
(Herausgabe und Verteilung durch den VVV: 1975 – 1980)


Bei den Recherchegesprächen zum Jubiläum des VVV wurden immer wieder drei Aktivitäten des Vereins als vorbildlich und richtungsweisend hervorgehoben:
– die Herausgabe von Liederbüchern,
– die Durchführung von Volksmusikseminaren sowie
– die Herausgabe und Verteilung von mindestens 220.000 Liederblättern an Schulen und Kindergärten vorwiegend in Oberbayern.

Unser langjähriges Beiratsmitglied Dr. Helmut Wittmann hat an der Erstellung und Verteilung dieser Liederblätter mitgewirkt. Seine Erinnerungen an diese von 1975 – 1980 durchgeführte Aktion sind hier zusammengefasst.

Raimund Eberle (1929 – 2007), heimatverbundener und weitblickender Regierungspräsident von Oberbayern, war fast 25 Jahre lang Vorsitzender des VVV. Er hat wohl die Zeichen der Zeit hinsichtlich der Mundart erkannt und die Anregung gegeben, Mundartlieder für den Gebrauch an Kindergärten und Grundschulen zu sammeln. Sie sollten in Form von didaktisch aufbereiteten Liederblättern diesen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.
Wastl Fanderl, zu dieser Zeit Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern, nahm sich gerne dieser Bitte an und suchte sich einige Mitstreiter für die gute Sache: den in der Brauchtumspflege sehr rührigen Schulamtsdirektor Hans Obermeier aus dem Landkreis Ebersberg, den Seeoner Helmut Wittmann (damals als Lehrer in Glonn tätig ) und Wolfi Scheck, der später Nachfolger des Fanderl Wastl als Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern wurde. Der VVV hatte den Druck der Liederblätter finanziert.
Eine vorangegangene Erhebung an den Grundschulen in Oberbayern hatte gezeigt, dass mundartliches Liedgut nur noch sehr wenig gesungen wurde. Das war nicht verwunderlich, denn die damals dominante Lehrmeinung nahm an, mundartsprechende Kinder seien in ihrem Bildungsprozess eingeschränkt. Das erste Liederblatt war für die Grundschule konzipiert und hieß: „Steig aufi aufs Bergal“ – Kinderlieder. Von den sieben darin enthaltenen Liedern sind wohl „Hans, was tuast denn du da“, „Schlittenreiten“ und „I tritt herein als Handwerksbursch“ die Kinderlieder, die am meisten Verbreitung gefunden haben.
Das nächste Liederblatt heißt „Hansl, tanz mit mir“, Lieder und Reime für die Kleinen, wendet sich insbesondere an Kinder im Kindergartenalter und enthält u.a. „Annamirl, Zuckaschnürl“, „Zizibe, zizibe“ und das Lied „Heiliger Nikolaus“ von Wastl Fanderl.
Das dritte Liederblatt heißt: „Wann i morgens fruah aufsteh“ – Lieder für junge Leut und wendet sich an ältere Kinder bzw. Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe. Sehr bekannt geworden sind daraus die Lieder „Hintn bei da Stadltür“, „Jetzt kimmt des schö Fruahjahr“ und „Gott hat alles recht gemacht“.
Ein weiteres Liederblatt erschien 1980: „Gott ist der Ackersmann, der all’s schön pflanzen kann“ – Lieder, Reigentanz und Aussprüche zum Tag des Baumes. Die Tanzbeschreibung hat die damalige Lehrerin Jutta Ettmayr erarbeitet.

Fortbildungen und didaktisch-methodische Anregungen

Die Liederblätter waren von Anfang an so konzipiert, dass sie neben Text und Melodie auch viele methodische Hinweise und Quellenangaben enthielten. Die Lieder für den Kindergarten wurden einstimmig, die für die Grundschule zweistimmig und die übrigen von Wolfi Scheck zwei- und mehrstimmig gesetzt. Das heißt aber nicht, dass man sie nur so singen kann. Alle Kinder sollten zuerst die Hauptstimme sauber singen können, bevor man sich an die zweite wagt. Diese zweite Stimme kann im Übrigen auch von einem Instrument übernommen werden.
Den Melodien sind Akkordsymbole für eine einfache Gitarrenbegleitung beigefügt. Sie können aber auch als Grundlage für eine Begleitung mit anderen Instrumenten dienen. Weil wir in Oberbayern keine einheitliche Mundart sprechen, ist es vernünftig, die Liedertexte behutsam dem heimischen Dialekt anzupassen.
Ganz wichtig war rückblickend, dass die Lieder durch viele Fortbildungsveranstaltungen, die von Wastl Fanderl, Hans Obermeier, Wolfi Scheck und Helmut Wittmann durchgeführt wurden, einer breiten Schulöffentlichkeit und damit letztlich vielen Kindern und Jugendlichen nahe gebracht wurden. (Laut Hans Obermeier beteiligten sich im Herbst 1977 allein in München 500 Lehrerinnen und Lehrer an diesen Fortbildungen). Diese „Pioniertat“ in einer für Mundart und Mundartlied schwierigen Zeit mitgetragen zu haben, ist eine Leistung, auf die der Verein für Volkslied und Volksmusik e.V. mit Recht stolz sein darf. Aus heutiger wissenschaftlicher und pädagogischer Sicht ist die damals herrschende Lehrmeinung zur Mundart absolut widerlegt und sogar in das Gegenteil verkehrt: Zweisprachigkeit ist für mundartsprechende Kinder und Jugendliche eine große Bereicherung und für ihre weitere Entwicklung sehr förderlich.

Helmut Wittmann


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